Zielgerichtete Therapie (targeted therapy)

Neue Therapiekonzepte in der Onkologie werden unter dem Begriff „targeted therapies“-also „zielgerichtete Therapien“ zusammengefasst. Im Gegensatz zur Chemotherapie greifen diese Therapien möglichst gezielt in gestörte Regulationsvorgänge maligner (bösartiger) Zellen ein.
Gerade in den letzten Jahren haben targeted therapies die therapeutischen Möglichkeiten bei verschiedensten Krebserkrankungen entscheidend erweitert und Eingang in die klinische Praxis gefunden.
 
In der Behandlung von fortgeschrittenem Dickdarmkrebs hat z.B. Avastin® (Bevacizumab) – ein monoklonaler Antikörper gegen VEGF (= vaskulärer endothelialer Wachstumsfaktor) – in Kombination mit Chemotherapie in der Erstlinientherapie gegenüber alleiniger Chemotherapie einen Überlebensvorteil gezeigt. 
Erbitux® (Cetuximab) ist ein Antikörper gegen EGFR (= epidermaler Wachstumsfaktor Rezeptor), der ebenfalls in Kombination mit Chemotherapie bei fortgeschrittenem Darmkrebs aber auch z.B. zusammen mit Bestrahlung bei Tumoren im Kopf-/Halsbereich eingesetzt werden kann.
Herceptin® (Trastuzumab) hat als erster Antikörper Eingang in die adjuvante (postoperative) Therapie gefunden. Studien, an denen auch die klinische Abteilung für Onkologie teilgenommen hat, haben gezeigt, dass Herceptin das Rückfallsrisiko bei HER2-positivem Brustkrebs signifikant reduziert. So erhalten Patientinnen mit HER2-positivem Brustkrebs nach Operation und anschließender Chemotherapie Herceptin für ein Jahr.
 
Ein Beispiel für einen sogenannten Tyrosinkinasehemmer stellt Glivec® (Imatinib) dar. Dieses Medikament wird sehr erfolgreich in der Behandlung von GIST (gastrointestinaler Stromatumor) und der CML (chronisch myeloische Leukämie) eingesetzt.
 
Weitere Formen einer Immuntherapie werden nicht als zielgerichtete Therapie bezeichnet, sind aber dennoch hier angeführt. 
So können Zytokine das Immunsystem in seiner Reaktion gegenüber Krebszellen stärken. Häufige in der Krebstherapie eingesetzte Zytokine sind z.B. Interferon Alpha, welches auch direkt das Wachstum von Krebszellen hemmen kann, sowie Interleukin. Zytokine werden z.B. in der Behandlung des Nierenzellkarzinoms oder bei Melanom eingesetzt.
 
Bei der Tumorvakzinierung („Impfung“) werden dem/der Patienten/in bestimmte Merkmale eines Tumors injiziert, um so eine Immunantwort gegen die Tumorerkrankung anzuregen. Für eine breite Anwendung dieses Therapiekonzeptes außerhalb klinischer Studien müssen jedoch noch weitere Ergebnisse über die Wirksamkeit in der Tumorbehandlung abgewartet werden.
Letzte Aktualisierung: 09.07.2015